Donnerstag, 13. Mai 2021

 

Das tränende Herz

Der Titel klingt fast wie ein Märchen der Gebrüder Grimm. Das ist es zwar nicht, trotzdem verbindet mich mit dieser Pflanze Erinnerungen an meine Kindheit:

Die Freunde meiner Tante hatten einen Schrebergarten. Manchmal nahmen sie mich mit wenn sie im Sommer ihre Freunde besuchten. Für mich als Wohnungskind einer Großstadt war dieser Schrebergarten eine Wunderwelt. Da gab es auf kleinstem Bereich Beeren aller Art, Marillen die binnen kürzester Zeit an Ort und Stelle zu herrlichen Knödeln verwandelt wurden, sowie anderes Obst und Köstlichkeiten von denen ich naschen durfte. Gleich neben dem kleinen Holzhäuschen, das ebenfalls nur das nötigste beinhaltete, aber sehr gemütlich eingerichtet war, wuchsen verschiedene Kräuter und Gemüse. Dazwischen standen kleine Zwerge die mich immer freundlich anguckten. Durchzogen war das Ganze von schmalen Wegen, die, wenn ich sie entlanglief, alle wieder zum Ausgangpunkt zurückführten. Und natürlich gab es auch Blumen! Einige davon kannte ich aus den Blumenhandlungen Eine Pflanze allerdings war mir bis dahin unbekannt und riefen meine volle Bewunderung hervor – da hingen doch tatsächlich an dünnen Stängeln hingen kleine Herzen!

 


Dicentra, das tränende Herz, oder Herzerlpflanze, war ursprünglich in Nordamerika und Westchina beheimatet, wo sie auch in lichten Laubwäldern vorkam. Im 19. Jahrhundert kam sie dann von China über England nach Europa. 

Der Name gibt einen Hinweis auf das Aussehen der Blüten, sofern man griechisch kann. Di(s) bedeutet zwei und die Silbe centra steht für das griechische Wort kentron und deutet auf die sackartige Ausbuchung an der Blütenbasis hin. Es gibt 15 verschiedene Arten, doch in unseren Gärten findet man meistens Dicentra spectabilis. Sie ist zweifärbig und klappt die Spitzen ihrer rosa Blütenblätter erst nach oben, wenn sie voll aufgeblüht sind. 

Und noch eine Besonderheit gibt es: Dicentra gehört zur Pflanzenfamilie der Papveraceaen und ist somit mit dem Mohn verwandt. Wer hätte das gedacht?


Bei der Gestaltung meines Gartens war daher von Anfang an ganz klar, solch eine Herzerlstaude soll auch in meinem Garten wachsen. In der Zwischenzeit sind es durch Ableger sogar mehrere dieser Stauden geworden. 

Nun sitze ich also auf der Terrasse, genieße die rosa Herzchen mit weißen Blütentropfen und beobachte die Hummeln, die emsig von Herz zu Herz, bzw. von Blüte zu Blüte fliegen. Aber einfach haben sie es dabei nicht, denn wie soll ein so pummeliger Insektenkörper durch die schmale Öffnung, dort wo sich die „weiße Träne“ befindet, hindurch zwängen? Aber die Insekten wissen sich zu helfen! Da gibt es nämlich bei jeder „reifen“ Blüte oben, nahe des kleinen Stielchens oder seitlich, ein klitzekleines Loch.

 

Ob die Hummeln das mit ihren Mundwerkzeugen bohren oder ob das von der Blüte selbst gebildet wird, weiß ich nicht. Jedenfalls turnen die behäbigen Hummeln auf den Herzen akrobatisch herum und saugen mit ihren Mundwerkzeugen wie mit einem Strohhalm den Nektar heraus.

 

Ja, man muss sich zu helfen wissen! Die Hummeln wissen es jedenfalls und für mich als Zuseherin es ist immer wieder faszinierend in die Wunderwelt der Natur hinein schauen zu dürfen – damals wie heute.

Sonntag, 2. Mai 2021

 Dieser Beitrag ist meinem Sohn Alexander gewidmet:

Tulpen aus Amsterdam

Vor Jahren brachte mir unser Sohn einige Tulpenzwiebel aus Amsterdam mit. Diese setzte ich ein und mit der Zeit entwickelte sich daraus ein schönes Tulpenbeet.

  

Die Tulpe ist ja eine Zwiebelpflanze. Die Zwiebel stellt das Nährgewebe für die Blüte dar. Und tatsächlich wird die Zwiebel durch die Blüte total aufgezehrt. Aber zum Glück werden in den Achseln der Zwiebelschuppen Ersatzzwiebeln (meist drei Stück) gebildet, die dann nach 2 – 3 Jahren selbst wieder blühen. So entstand also mein Tulpenbeet.

 

 

Die Bezeichnung Tulpe kommt vom lateinischen Tulipa, das wiederum von dem persischen Wort Dulband abstammt, was übersetzt Turban heißt. Ich denke mir, dass die Ähnlichkeit zu einem Turban mit der Kapselfrucht hergestellt werden kann.  

 

 

 

Tatsächlich stammt die Tulpe ursprünglich aus Zentralasien und schon bei den Persern war sie eine beliebte Gartenpflanze. Um 1500 blühten sie in prachtvollen Beeten in den Gärten des Sultans von Konstantinopel. Dort sah sie auch ein gewisser „Ogier Ghislain de Busbecq“. Busbecq war der Gesandte von Kaiser Ferdinand I. von Österreich, am Hofe des Großkalifen. Er war so begeistert von den Tulpen, dass er Samen und Zwiebeln nach Wien sandte.

In Wien war der flämische Botaniker Carolus Clusius tätig, der 1593 an die Universität Leiden übersiedelte und die Tulpenzwiebeln dorthin mitnahm und als erster professionell anpflanzte.

 

So also kamen die Tulpen nach Holland, wo sie optimale Boden- und Klimabedingungen vorfanden und optimal gediehen. In der Zwischenzeit gelangten die Tulpen über Venedig auch nach Augsburg. 1565 wuchsen bereits im Garten der Fugger und anderen hoch angesehenen und reichen Kaufleuten und Bankiers Tulpen.


 

Denn die Tulpen galten damals als Luxusware. Ab 1625 kam es zu einer regelrechten „Tulpenmanie“. Die begehrteste Tulpe war die „Semper Augustus“. Sie wich in ihrer Farbgebung durch die roten Streifen auf weißem Grund total von den übrigen einfärbigen Tulpen ab. 

Bild: zwiebelhaft.de
 

Diese Farbzeichnung war nicht vorhersehbar. Jede Tulpe war anders und somit ein Unikat. Die Zwiebeln wurden an der Börse gehandelt und erzielten horrende Preise. Am Höhepunkt dieses Tulpenfiebers zahlte man für Zwiebeln der Sorte „Semper-Augustus“ mehrere Tausend Gulden! Zum Vergleich, ein Zimmermann verdiente damals 250 Gulden pro Jahr! So rasch die Preise stiegen, so rasch fielen sie auch wieder. 1637 beendete die Holländische Regierung per Gesetz diese Spekulationsblase und löste damit die erste Finanzkrise der Wirtschaftsgeschichte aus.

Heute weiß man, dass diese geflammte oder gestreifte Blütenfarbe durch ein Virus ausgelöst wurde, das die gleichmäßige Farbgebung verhinderte.

Die Sorte „Semper Augustus“ gibt es heute nicht mehr. Allerdings gibt es heute „Renbrandt-Tulpen“, die ebenfalls Streifen aufweisen. Diese Zeichnung kommt allerdings durch gezielte Züchtungen zustande.

 


So erfreue ich mich jeden Frühling an dem Tulpensouvenir aufs Neue und denke ebenso gerne an unseren Urlaub im Frühjahr 2015 zurück, wo wir auch Gelegenheit hatten die Tulpenfelder und den Keukenhof zu besuchen.

https://www.youtube.com/watch?v=tT65wUb1zJ8

 

 

 

Quellen:

Süddeutsche Zeitung, 29.6.2019

Fimanto.de>Lexikon>Tulpenmanie

www.geo.de>wissen

wikipedia

GRUNERT Christian:

Gartenblumen von A bis Z, Neumann Verlag 2. Auflage 1967